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Internationale Fotografie-Experten in Klausur

Was für ein Experiment: Man wähle aus 25 Ländern 50 Profis in Sachen Fotografie und sperre sie für vier Tage in ein Schloss ein. Die Aufgabe: Diskussionen über die Fotografie im Zeitalter der Neuen Medien, des Bürger-journalismus und der digitalen Revolution.

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Publication: Photonews
Author: Bill Kouwenhoven
Date: April 05, 2013
Das Salzburg Global Seminar, eine amerikanische Non-Profit-Organisation, lud unter dem Motto "Power in Whose Palm : the Digital Democratization of Photography" vom 23. bis 27. Februar genau dazu ins Schloss Leopoldskron am Stadtrand von Salzburg ein. Diese heiligen Hallen- 1736 vom Salzburger Fürsterzbischof namens Leopold Anton Eleutherius Freiherr von Firmian auf den Namen Leopoldskron getauft, zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Theaterregisseur Max Reinhardt geprägt und dank ihm als Geburtshaus der Salzburger Festspiele bekannt - sind seit ihrer Gründung 1947 im Privatbesitz der global agierenden Bildungsinstitution.

Das von drei Herren der Harvard University- Clemens Heller, Richard Campbell und Scott Elledge - ins Leben gerufene Salzburg Global Seminar (SGS) wurde in der Nachkriegszeit zu einem wichtigen Forum für wirtschaftliche, kulturelle und politische Diskussionen. Hier sollen "aktuelle und zukünftige führende Persönlichkeiten kreative Lösungen für globale Probleme entwickeln" und "einfallsreiche Denker unterschiedlicher Kulturen und Berufe zusammenkommen, um Strategien zur Veränderung zu entwerfen". Zu diesem Zweck organisiert das SGS "problemfokussierte Initiativen, sie unterstützt die Entwicklung von Leadership und bezieht Meinungsmacher durch aktive Kornmunikationsnetzwerke mit ein- in Zusammenarbeit mit führenden Institutionen aus aller Weit." Kurz gesagt, das SGS ist eine Art Ideenschmiede, eine Kombination aus Davos, Bilderberg und, in diesem ersten Seminar zur Fotografie, der DGPh.

Teilnehmer waren Vertreter von Fotoagenturen und den Neuen Medien, Festival-Leiter, Pädagogen, ein Anwalt für Urheberrecht, einige Galeristen und zahlreiche Fotografen aus aller Weit. Fast ein Viertel stammte aus der 11Mehrheitswelt", wie Shahidul Alam, Leiter der Agentur Drik und Gründer von Chobi Mela (Bangladesch), es nennt, also aus nicht-westlichen Ländern. Es wurden Präsentationen geboten und Workshops veranstaltet. Es gab gutes Essen, viele Diskussionen und am Abend informellere Gespräche in der Weinstube bei Kicker und Tischtennis.

Vier vorgegebene Themen sollten herauskitzeln, wo sich diese 'Schöne neue Weit' der Fotografie und der neuen Medien gerade befindet und in welche Richtung sie sich weiterentwickelt: "Der Fotograf als Befürworter, Bewusstseinswecker, Aktivist"; ßildung: Die Macher und die Zuschauer"; "Schöne neue Weit: Demokratisierung, Dezentralisierung, Bürger-journalismus" und "Entscheidungen treffen: Ethik der Nutzung, Darstellung von Personen und internationales Eigentum ". Zunächst wurde jedes Thema von einem ausgewählten Podiumsgast vorgestellt. Anschließend begaben wir uns in Gruppen von 10-16 in verschiedene Zimmer, um zu diskutieren. Wir verfassten Steilungnahmen- Thesenpapiere sozusagen -zum Beispiel dazu, wie die Fotografie als Katalysator für Veränderung dienen kann oder zur Notwendigkeit des Erwerbs visueller Kompetenz ab einem frühen Alter.

Angesichts der Vielfalt überrascht es nicht, dass gelegentlich hitzige Diskussionen entbrannten, zum Beispiel zur Bedeutung der Demokratie, über den Zugang zu Technologien, wie Fotografen die neuen Werkzeuge am besten nutzen und welche Verantwortung sie hinsieht- lieh Veränderungen tragen. Meist wurden wir uns jedoch einig- wie Fotografen an Aktivismus und Gemeinschaftsbildung mitwirken können, welche Rolle Bürger-journalisten haben, dass man sich der Macht von Internettoals wie Facebook und Twitter bewusst sein muss und dass Fotografen die Kontrolle über die Bilder behalten müssen, die im Internet gepostet werden. Teilweise wurden offene Türen eingerannt.

"Was ich von diesem Seminar mitnehme", so Stephen Mayes, Leiter der Agentur VII Photo, "ist ein Einblick, wie die Theorie der neuen Fotografie auf die soziale Umwelt angewendet wird." Als Beispiel nennt er Arbeiten aus Kenia. ln ländlichen Gebieten gehören Banner und Poster zurWahlkampfberichterstattung. Es wurde dokumentiert, wie verschiedene Parteien das Wahlkampfmaterial des Gegners unkenntlich machten oder entfernten, und zwar in Gebieten, in denen es kaum Zugang zu Elektrizität, geschweige denn zum Internet gibt. Das erinnert daran, dass die neuen Medien vor allem Instrumente der urbanen Elite sind. Um Menschen in entlegenen Gebieten zu erreichen, benötigt man andere Mittel. Ebenso verwies Mayes auf Bilder aus Kairo der letzten 18 Monate, die vor allem mit Mobiltelefonen gemacht wurden und um die Weit gingen, aber niemals die ganze Story erzählen. Dies zeigt auch, dass die Verwendung von Crowdsourcing-Bildern für die Presse problematisch sein kann.

Der in Berlin lebende Fotograf Wolfgang Bellwinkel betonte, dass es keine allgemeingültigen Strategien und Taktiken gibt: "Es war interessant zu erkennen, wie unterschiedlich Strategien sein können . Die Annahme, dass das virtuelle Anprangern des Bösen zu Veränderung führt, ist fraglich. Die schrecklichen Bilder krebszerfressener Organe auf Zigarettenschachteln zum Beispiel haben kaum einen Einfluss auf die Rauchergewohnheiten und stumpfen höchstens ab. Selbst bei den neuen Medien haben sich visuelle Strategien im letzten halben Jahrhundert kaum verändert." Bellwinkel fügte hinzu, und andere bestätigten dies, dass "beinahe ein stilles Einvernehmen darüber herrscht, dass Bilder die Kraft haben, Bewusstseinsprozesse einzuleiten. Die kritische Frage bleibt, wie man dafür ein Publikum findet und ob darin bereits eine Lösung bestehen kann."

Die Seminare boten nicht nur die Möglichkeit, Antworten auf die vom SGS gestellten Fragen zu finden, sondern waren vor allem eine großartige Gelegenheit zum Austausch von Erfahrungen und zum Networken, Claudia Hinterseer von NOOR stimmt dem zu: "Dank des Austausches von Informationen und Erfahrungen hatten wir nach dem Seminar ein besseres Verständnis einiger Probleme und Möglichkeiten. Wichtige Probleme wie Ethik und Transparenz bei der Arbeit von Fotojournalisten und Bürger-journalisten wurden angesprochen."

Fotojournalist Damaso Reyes aus New York meint, dass dieses Seminar zwar keine Antworten bereithielt, aber einen Dialog sowie weiterführendes Networking initiierte. "Wir alle kämpfen mit den Folgen der großen Veränderung hinsichtlich Verfügbarkeil und Distribution für traditionelle Modelle. Ich hatte die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten über ihre Perspektiven zu sprechen, und erhielt einen Einblick in die Art, wie andere mit diesen Problemen umgehen. Wir sind in unseren eigenen Netzwerken und Berufsfeldern oft sehr isoliert. Ich denke, das Seminar hat uns dabei geholfen, besser zu verstehen, was diese Veränderung für unterschiedliche Kreise bedeutet. Dies wiederum bietet uns ein besseres Verständnis für die vorliegenden Probleme."

Dazu war es hilfreich, vom SGS in ein Schloss "ei ngesperrt" zu werden. Das bot ein Forum für unterschiedliche Standpunkte der Fotografie- Community sowie Zugang zu Hilfsmitteln und Erfahrungen, um Fragen zum Wer, Was, Warum und Wie zu beantworten -wie wir die Welte(n) darstellen, in denen wir momentan leben und in denen mehr Bilder produziert und konsumiert werden, als je zuvor. Wir sollten uns in einem Jahr erneut treffen, um zu sehen, was wir daraus gelernt haben. Übrigens konnten viele von uns auch ihre Kicker- und Tischtennis Fähigkeiten ausbauen ...

Bill Kouwenhoven


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Power in Whose Palm? The Digital Democratization of Photography - February 2013

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